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von Noemi Bossart am 30.04.2021

Das Problem mit Problem(ch)en

Negativität bzw. Probleme, die wir vermeintlich nicht ändern können, sind ungemütlich. Aber deswegen nicht weniger wichtig.

Vor einiger Zeit habe ich das Buch «eine kurze Geschichte der Menschheit» von Yuval Hariri gelesen. Ok – ich hab's nicht ganz gelesen, aber ich arbeite daran. Ich will es eigentlich unbedingt zu Ende lesen, weil es wahnsinnig spannend ist und ich einige Aha-Momente hatte. Ich habe aber Mühe damit, weiterzulesen, weil es ungemütlich ist. Weil es aufzeigt, was Menschen für unfassbare Monster sind (unter anderem natürlich). Wie wir die Welt systematisch zerstört haben und immer noch zerstören und nicht daran denken, damit aufzuhören. Ja, das ist sehr unbequem, dieser Wahrheit ins Gesicht zu schauen. Aber auch wichtig, sich das ab und an wieder vor Augen zu führen. Vielleicht lese ich das Buch auch nicht zu Ende, weil ich es von einer Person bekommen habe, die jetzt nicht mehr in meinem Leben ist und es mich etwas zu sehr an diesen Menschen erinnert… Anyway.

Im Gespräch mit einer Bekannten, habe ich ihr empfohlen, dieses Buch ebenfalls zu lesen. Als ich etwas umschrieben habe, worum es geht, schüttelte sie energisch Kopf und winkte ab «Ich möchte doch nicht etwas lesen, was mich traurig stimmt.»

Spannend - dachte ich. Naja, auf der einen Seite nachvollziehbar. Negativität bzw. Probleme, die wir vermeintlich nicht ändern können, sind ungemütlich. Aber deswegen nicht weniger wichtig.

Ich bin mir sicher, Sie kennen das von sich selbst und können das bestimmt auch im Alltag immer wieder beobachten. Kleine Problemchen, die auftauchen und denen man keine Beachtung schenkt, weil es zu «anstrengend» ist, sich denen zu stellen. Einfaches Beispiel: Toilettenpapier kaufen.

Ja, wirklich ein «Problemchen», aber je weiter man es hinausschiebt, desto akuter und wichtiger wird das Problem und irgendwann muss es SOFORT gelöst werden (ist mir erst gestern wieder passiert). #firstworldproblems

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So ist es auch mit jedem anderen Problem, dass sich uns in den Weg stellt. Je länger wir mit der Problemlösung warten, desto schlimmer und unbequemer wird es und wir fühlen uns zunehmend unbehaglich und in der Magengegend beginnt es zu ziehen.

Menschen setzen sich nicht gerne mit Problemen auseinander. Je nach Problem raubt es uns viel Energie, Zeit und Nerven. Deshalb versuche ich, wenn immer möglich, mich nicht auf das Problem zu konzentrieren, sondern auf eine mögliche Lösung. Diese Einstellung hat sich wie ganz von selbst in meinen Alltag im Büro aber auch privat eingeschlichen.

Denn es ist doch so, auch wenn ich versuche mich auf die Lösung zu konzentrieren, muss ich trotzdem das Problem kennen und analysieren. Nur dann, kann ich eine sinnvollen Lösung erarbeiten, die meine Welt wieder ins Gleichgewicht bringt.

Also, wie geht man das jetzt an, das Problem mit den Problem(ch)en?

Schritt 1: Problem erkennen & analysieren

Als erstes, sollte man dazu bereit sein, sich überhaupt einzugestehen, dass es da Probleme gibt. Sei es als Privatperson, Mitarbeiter:in, Geschäftsleitung, Verwaltungsrat, Bundesrat, Welt – whatever. So weit so gut. Jetzt kommt der schwierige und unbequeme Teil: man fragt sich, woher das Problem kommt, was es mit einem macht usw. Fragen Sie Tante Google (jap, in diesem Text ist Google eine Frau – warum auch nicht?), die spukt Ihnen viele Möglichkeiten und Methoden aus, wie man ein Problem angehen kann. Da bin ich (noch) keine Expertin.

Schritt 2: Mehrwert erkennen & Lösung finden

Dies ist wahrlich ein wichtiger Punkt. Wenn Menschen keinen Mehrwert in einer Handlung oder einem Vorgehen sehen, dann sind sie auch nicht gewollt, etwas an ihrem Verhalten oder der Denkweise zu ändern. Veränderung macht Angst. Problemlösung macht Angst, weil man sich damit auseinandersetzen muss. (der Lieblingspart meiner Therapeutin by the way, scheint ihr Spass zu machen, mich zu quälen)

Mit der Lösungsfindung gibt sich aber auch der Mehrwert zu erkennen. Dies beginnt mit einem Gefühl der Erleichterung und endet damit, dass Problem vom Tisch zu haben. Klingt das nicht wundervoll?

Ich für meinen Teil LIEBE Probleme – She said what?

Ja, ohne Witz, ich liebe Probleme. Und ich sage hier bewusst nicht «Herausforderung». Dieses Wort beschönigt etwas was vielleicht einfach nur Sch* ist. Denn Probleme machen mich zu einem besseren Menschen, wenn ich sie aus dem Weg geräumt habe. Sie helfen mir zu wachsen. Sie zeigen mir vielleicht auch meine Grenzen auf, geben mir aber die Chance über eben diese hinauszuwachsen. Ich mag es, wenn die vermeintliche Harmonie gestört wird – denn es kann nicht immer alles harmonisch sein und soll es auch nicht. Wäre auch etwas langweilig, oder?

Schritt 3: Lösung umsetzen, dass das Problem zur positiven Erfahrung wird

Dafür müssen wir das Problem am Schopf packen und samt der Wurzel aus der Erde reissen. Denn dort versteckt sich meist das Wesentliche, verwurzelt unter der Erde.

Warum wir Menschen, Probleme einfach systematisch in die unterste Schublade auf dem Dachboden verstauen, ist und bleibt ein Rätsel für mich. Wichtig ist, dass wir Ansprechpersonen haben, die uns unterstützen. Vielleicht ist es bei Ihnen ihr:e Partner:in, welche:r sie challengt und Ihnen hilft, Probleme anzugehen. Oder es ist ihr:e Chef:in welche:r Ihnen unter die Arme greift und Sie aus dem Loch holt, in das Sie gefallen sind. Oder es ist ein Coach, Psychiater:in, Naturheilpraktiker:in – was auch immer Ihnen hilft, sich Problemen zu stellen. Für Probleme in Firmen, gibt es Firmencoachings, Unternehmensberatungen, Changemanagement, the list goes on. (Verweis auf Tante Google)

Geben Sie nicht auf! Probleme zu ignorieren hilft nicht. Irgendwann kommen Sie wieder hoch, manchmal 5 Minuten später, manchmal auch erst 50 Jahre später. Probleme sind A-löcher. Sorry, ich kann es nicht blumiger umschreiben.

Geben Sie nicht auf! Probleme zu ignorieren hilft nicht. Irgendwann kommen Sie wieder hoch, manchmal 5 Minuten später, manchmal auch erst 50 Jahre später. Probleme sind A-löcher. Sorry, ich kann es nicht blumiger umschreiben.
Workshop

Also, vielleicht habe ich Sie nun inspiriert, bereits heute ein Problem anzugehen, welches schon lange für das Ziehen in Ihrer Magengegend verantwortlich ist. Ansonsten denken Sie vielleicht an mich, beim nächsten Toilettengang, wenn die Klopapierrolle leer ist.

Thank you for attending to my TED-Talk. Over and out.

PS: Ich habe in diesem Text versucht richtig zu gendern. Mit dem Gender Doppelpunkt anstelle des Sternchens, soll die gesamte LGBTQAI+ Community eingeschlossen werden. Sollte ich etwas falsch gemacht haben bei meinem Versuch, gerne melden #bettertogether

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